Die Entstehung unseres Vereins Pflegestimme e.V.

Ab dem 18.Dezember 2018 lagen bei vielen Niedersächsischen Pflegekräften die ersten Beitragsbescheide der Pflegekammer in den Briefkästen, in denen die unfreiwilligen Pflichtmitglieder aufgefordert wurden, den Höchstbeitrag von 140 Euro für ein halbes Jahr zu zahlen.

Dieser Tag markiert den Beginn einer bis heute andauernden Protestwelle von Pflegekräften gegen die Pflegekammer, und ist gleichzeitig Wegbereiter für die Pflegestimme. Am 2. Februar demonstrierten über 3,500 Pflegekräfte in Hannover, soviele wie niemals zuvor in Niedersachsen. Zu den Organisatoren gehörten damals auch Teammitglieder unserer später gegründeten Pflegestimme.

Im Verlauf vieler anstrengender und ereignisreicher Wochen im Frühjahr 2019, in denen wir u.a. in den sozialen Medien, wie auch bei diversen Stammtischen und Kundgebungen, mit tausenden Pflegekräften ins Gespräch kamen, kristallisierte sich eines ganz klar heraus: Ja, wir brauchen und wollen eine Organisation von Pflege, aber eben eine, die mit Überzeugungen und Anreizen Mitglieder gewinnt, und nicht mit Kammerzwang. Vielen Pflegekräften war auch besonders wichtig, dass diese Organisation sich für die wirklich wichtigen Probleme der Pflege einsetzt, wie die schlechten Arbeitsbedingungen und die Bezahlung; Eben für all die Themen, für die eine Pflegekammer nicht zuständig ist. Außerdem wurde deutlich, dass die Verantwortung für eine sichergestellte Pflegequalität in erster Linie von der Regierung getragen werden muss, und nicht auf die Pflegekräfte abgeschoben werden darf.

Über mehrere Monate sammelten wir Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen von Pflegekräften, und formten daraus unsere Zielstellung, die wir im März erstmals schriftlich festhielten und auf unsere Homepage veröffentlichten.

Die Bezeichnung "Pflegestimme" leitet sich von der absurden Selbstbeschreibung der Kammer ab, die sich als einheitliche Stimme der Pflege sieht. Wir wollen all denen eine Stimme geben, die sich eben nicht durch eine solche Pflegekammer vertreten fühlen, und denen eine Verbesserung der Pflegesituation in der Praxis am Herzen liegt.

Während die Pflegekammer für Fort-und Weiterbildung wirbt, und dadurch eine Verbesserung der Pflegequalität erreichen möchte, sind wir von der Pflegestimme davon überzeugt, dass das Grundproblem der sich immer mehr verschärfende Personalmangel ist, der im Umkehrschluss für die schlechte Qualität in der Pflege sorgt. Eine Pflegekraft kann eben noch so gut geschult sein, wenn sie die Arbeit von Dreien erledigen muss, leidet automatisch auch die Qualität. Genau hier muss zuerst angesetzt werden, um sowohl für das Pflegepersonal, als auch für den Patienten bessere, und sicherere Bedingungen zu schaffen. Dazu braucht es keine Pflegekammer, sondern eine generelle Akzeptanz und Aufklärung der Gesellschaft wie auch der Politik, um Pflege endlich neuzeitlich zu verstehen und zu gestalten.

Mit unserem Verein Pflegestimme-Bündnis aller Pflegekräfte e.V. möchten wir unseren Teil dazu beitragen.