Weckruf

Weckruf: Ich bin eine Pflegestimme

An alle Pflegekräfte in Deutschland.

Aus Niedersachsen erreicht euch heute unser Weckruf. Wir Pflegekräfte wurden von einem politisch gesteuerten, Gewinnorientierten Gesundheitssystem jahrelang kaputtgespart und ausgebeutet. Jeder, der in der Pflege tätig ist, weiß um die desaströsen Arbeitsbedingungen, den akuten Pflegenotstand und den stetig ansteigenden Personalmangel. Wir opfern unsere wenigen freien Tage und springen für Kollegen ein, arbeiten Tags – wie Nachts, am Wochenende, an Weihnachten, an Silvester. Wir häufen Deutschlandweit tausende Überstunden an, ohne dafür eine angemessene Anerkennung oder Entlastung zu erfahren. Für unsere unbezahlbare, harte Arbeit, die mit einer immensen Verantwortung einhergeht, erhalten wir keine angemessene finanzielle Vergütung.

In Niedersachsen wurde im Dezember 2016 eine kostenpflichtige Pflegekammer durch die Landesregierung etabliert, die eine verbesserte Qualität für die Patienten sicherstellen soll, und unseren Berufsstand als Aufsichtsbehörde mit Selbstverwaltung kontrollieren will. Hierbei werden uns, den "Pflegefachpersonen", wie sie die Pflegekammer bezeichnet, weitere Verantwortlichkeiten auferlegt, und sie können uns mit Zwangsgeldern und Bußgeldbescheiden sanktionieren. Eine zukünftige Fortbildungsordnung soll uns auferlegt werden, deren Kosten wir höchstwahrscheinlich selbst übernehmen müssen, da der Arbeitgeber kein Mitglied der Pflegekammer ist, und somit nicht verpflichtet ist, diese Kosten zu tragen. Monatlich müssen wir 0,4% unseres Einkommens an die Kammer abgeben. Hierdurch kann die Pflegekammer in Niedersachsen mit einem Jahreseinkommen von etwa 10 Millionen Euro rechnen.

Während wir in Deutschland einen massiven Pflegenotstand haben, ist eine qualitativ hochwertige Arbeit durch die teils desolaten Arbeitsbedingungen kaum mehr möglich. Eine zusätzliche Kontrollbehörde ist aus diesen Gründen überflüssig und wird uns zusätzlich finanziell und zeitlich belasten.

Die Pflege ist ein Gesamtgesellschaftliches Problem, weshalb es überhaupt nicht einzusehen ist, dass einzig die Pflegekräfte dafür finanziell aufkommen sollen. Eine Pflegekammer löst kein einziges der vielen Problemfelder der Pflege, die oben beschrieben wurden. Aber genau diese müssen wir angehen, und zwar gemeinsam. Aus Rücksichtnahme unseren Patienten, Bewohnern und Klienten gegenüber, und um deren Sicherheit nicht zu gefährden, haben wir es viel zu lange vermieden, für unsere Rechte auf die Straße zu gehen und unsere Stimme zu erheben. Wir Pflegekräfte in Niedersachsen, haben am 23.12.2018 eine Online Petition gegen die Pflegekammer ins Leben gerufen, die mehr als 50.000 Menschen unterzeichnet haben.

Mit mehreren tausend Kollegen und Kolleginnen haben wir demonstriert. Die Stimme der Pflege soll noch viel lauter werden, weshalb wir uns bundesweit vernetzen wollen, um uns gemeinsam gegen die wirklichen Probleme der Pflege zu mobilisieren, und weitere Zwangspflegekammern zu verhindern.

Wir bitten euch daher, schließt euch der Facebookgruppe "Pflegestimme – Bündnis aller Pflegekräfte" an, damit wir gemeinsam für eine freie, neuzeitliche und menschenwürdige Pflege mit besseren Arbeitsbedingungen kämpfen können. Des Weiteren könnt ihr uns unter www.pflegestimme.de finden.

Pflegestimme - Bündnis aller Pflegekräfte e.V.
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